Sidesteps LIVE CD – gefällt Musikjournalist Georg Spindler – tolle Kritik im Mannheimer Morgen

JAZZ – HÖRENSWERTE LIVE-CD DER REGIONALEN BAND SIDESTEPS
Ganz nah dran an der Bühne
27. Februar 2020 Autor: Georg Spindler
Es ist, als säße man in der ersten Reihe bei einem
Clubkonzert: Die schlicht „Live“ betitelte CD der
Jazzband Sidesteps dokumentiert 71 Minuten lang die
überbordende Atmosphäre eines Auftritts im
Heidelberger Jazzhaus. Dass die fünf Musiker, allesamt
aus der Region kommend, an jenem Abend ebenso wie
das Publikum ihren Spaß hatten, ist in jeder Note auf
dieser CD zu spüren.
Die Band (Uli Wehrmann: Gesang, Gerd Baier: E-Piano,
Synthesizer und Piano, Walter Dieterle: Gitarre, Franz
Basler: Bass, Otmar Prokein: Schlagzeug) vermischt
Pop, Funk, und Fusion zu einer ansprechenden
Stilfusion. Mit knorrig-expressiver, von Lebenserfahrung
gegerbter Stimme intoniert Wehrmann Songs wie den
Neue-Deutsche-Welle-Klassiker „Telephon“ von Ideal,
Jorge Bens brasilianischen Pop-Hit „Mas que nada“
oder Jamiroquais souliges „Space Cowboy“. Mit großer
Originalität und Mut zu eigenen Ideen macht er sich die
Vorlagen zu eigen.
Voller Emotionen
Dass er sich im Überschwang auch mal zu Scat-
Eskapaden hinreißen lässt, die nicht jedermanns Sache
sein mögen, oder dass der Funk-Rock in einer Version
von Bob Marleys umarrangiertem „I Shot The Sheriff“
rhythmisch allzu rustikal gerät, fällt nicht weiter ins
Gewicht. Das Album von Sidesteps klingt unmittelbar,
stimmungsvoll, emotionsstark, authentisch. Statt der
sterilen Klangkosmetik, wie sie heutzutage bei vielen
Livemitschnitten üblich ist, setzt die Band auf
Lebendigkeit. Man spürt förmlich den Schweiß, der auf
der Bühne fließt.
Gerd Baier, Urgestein der Heidelberger Szene, gefällt auf
dem E-Piano mit zupackend perkussiven Funk-Läufen,
die an Joe Zawinuls Beiträge in der Soul-Jazzband von
Cannonball Adderley erinnern. Und der Mannheimer
Gitarrist Walter Dieterle, ansonsten eher als Pädagoge,
Pop- und Schlagerinstrumentalist aktiv, nutzt hier die
Gelegenheit zu furiosen Befreiungsschlägen. In Stücken
wie Gregory Porters „Hey Laura“ entfesselt er ungeahnt
wilde, ausschweifende Soli. Aus den Tiefen seiner Seele
katapultiert er sich in expressive Höhen. Macht echt
Spaß, diese Scheibe.